Geiler Apfelsaft

Donnerstag, 29.06.2017

"Was treibt der Kerl eigentlich die ganze Zeit? Schafft der auch mal was?!", wird sich vielleicht so mancher fragen. Die Antwort ist ganz klar: Jein. Nun ja, das soll heißen, ich bin schon die ganze Zeit beschäftigt. Nur eben nicht mit dem, was ich eigentlich vorhatte...

Eigentlich wollte ich die Welt verbessern, Japans Wälder retten und als weltbester Wassermanager in die Geschichte eingehen. Stattdessen erzähle ich einer Gruppe von Asiaten, dass Semmelknödel viel geiler sind als Kartoffelknödel.

Ich bin jetzt nämlich 2 mal im Monat richtig erstzunehmender Deutschlehrer. Und da meine Schüler nicht nur an der Sprache, sondern auch der Kultur Deutschlands interessiert sind, gebe ich auch immer kurze Präsentationen über z.B. die Glanzstunden deutscher Musik oder eben Essen. So langsam kristallisiert sich auch seit langem mal wieder ein ernstzunehmender Spitzname für mich heraus. Meine Schüler nennen mich liebevoll 'ふわふわ先生 (fuwafuwa-sensei), zu Deutsch in etwa "Prof. Flauschig". Mir gefällt's.

Meine persönliche Sprachherausforderung folgt in etwa 2 Wochen. Dann darf ich mein geliebtes Vaterland beim Cross-Cultural-Day vorstellen. Natürlich auf Japanisch... Bis ich die Wörter für z.B. Migrationshintergund oder Geschwindigkeitsbegrenzung auswendig kann, brauche ich allerdings noch etwas Übung. Ich bin gespannt.

Was gab es denn sonst noch für Kuriositäten... ach ja! Ich war unter anderem bei einem Glühwürmchen-Event. Hierbei kann man bei einer ca. 40-minütigen Bootsfahrt tausende von Glühwürmchen am Uferrand beobachten. Leider war es so dunkel, dass ich keine brauchbaren Fotos machen konnte. Aber von etwas anderem habe ich Bilder: Da unsere Wartezeit so lang war, wollte ich mir die Zeit mit einer vollautomatischen Fußmassage vertreiben. Eigentlich soll das Gerät bestimmte Druckpunkte stimulieren und so für Gesundheit und Entspannung sorgen. Das Ergebnis waren allerdings 10 Minuten Höllenqualen. Ich weiß nicht, ob ich schon mal solche Schmerzen hatte. Vielleicht lag es auch teilweise daran, dass meine Füße Größe 47 eindeutig nicht die Optimalgröße für dieses zarte Maschinchen waren. Aber seht doch einfach selbst:

 

In gerade einmal 6 Wochen ist meine Zeit in Kagoshima auch schon wieder vorbei. Dabei gibt es noch einiges, was ich hier erledigen möchte. Aber ich bin zuversichtlich, dass alles hinhaut. No net hudla.

Und übrigens: Hier noch, wie versprochen, der geile Apfelsaft voller Liebe:

Neues aus der Anstalt

Montag, 29.05.2017

(Vorweg: Dieser Eintrag lag ungeachtet seit einem Monat bereit zur Veröffentlichung. Ich würde ja jetzt irgendeine tolle Ausrede bringen, aber ich hab leider keine. Ich hatte einfach keine Lust weiter zu machen und hab ihn einfach vergessen... ;-) Nun ja, hier mit ein wenig Verspätung nun: "Neues aus der Anstalt" (Nachschub folgt))

 

Liebe Gemeinde, 

wir haben uns heute hier versammelt um die letzten Wochen Revue passieren zu lassen.

Ich hatte zum ersten Mal Besuch aus der Heimat - nun ja fast - als mich mein lieber Freund Marius (Grüßle!) auf seiner Rückreise von Australien besucht hat.Somit wurde es in meiner sowieso schon überschaubaren Bude noch etwas kuschliger. Wir haben uns natürlich, wie es sich gehört alle erdenklichen kulinarischen Highlights gegönnt. Da ich aber auch meinen Pflichten weiterhing nachkommen musste und wollte, habe ich ihn einfach kurzerhand zu meinen verschiedenen Sprachveranstaltungen mitgenommen. Das hat für so manchen witzigen Moment gesorgt. Ich muss aber auch sagen, dass sich die Sprachkenntnisse auf einmal deutlich verbessern, wenn man vor seinen Freunden angeben will, auch wenn diese kein Wort verstehen.

Das wohl besonderste in dieser Woche war unser Trip nach Ibusuki am südlichsten Zipfel der Insel Kyushu. Die Gegend ist bekannt für ihre Geothermie durch vulkanische Aktivität, die u.a. zur Energie- und Salzgewinnung genutzt wird. Deshalb gibt es hier auch viele heiße Quellen und die ganz besonderen Sandbäder. Hier kann man sich am Strand in den dampfenden, schwarzen Vulkansand bis zum Kopf einbuddeln lassen. Sehr warm, aber auch sehr entspannend.

Nachdem ich dann Marius verabschiedet hatte, habe ich noch ein wenig den Blaskapellen am Hauptbahnhof gelauscht. Auch der Opi, der sonst immer zu seiner eigenen Kopfhörermusik am Bahnhof abtanzt, hat's ordentlich gefeiert.

Am nächsten Tag war ich dann mit allen Freunden aus dem Labor auf einem Ausflug rund um die Stadt Kirishima. Erster Stop war ein Wasserfall. Die perfekte Kulisse für schöne Fotos. Natürlich hat sich mein Auto erstmal verfahren. Auch wenn es diesmal wirklich nicht meine Schuld war...

Als nächstes ging's zum Kirishima-Schrein. Er ist noch vergleichsweise klein, hat aber alles zu bieten, was man so erwartet. Man kann sich auf verschiedenste Arten sein Glück für die Zukunft sichern. Z.B. gibt es kleine Zettelchen mit Vorhersagen über die Zukunft. Wenn einem das vorhergesagte Glück nicht genügt, kann man entweder so lange Zettel kaufen bis man zufrieden ist oder man hängt sie auf, um die guten Schwingungen des Tempels aufzunehmen. Na, wenn's hilft.

Die finalen Stationen waren eine Erlebnisfarm und ein anschließender Besuch im Onsen. Schafe streicheln, Kühe melken, Fußbad nehmen. Das geht auch nach einer viel zu kurzen Nacht. Anstrengender ist dann eher, wenn's unerwarteterweise noch zur typischen Feierabendgestaltung geht. 2 Stunden All you can drink inklusive Essen für nur 2000 Yen (ca. 16€). Bei so einem Schnäppchen kann man natürlich nicht nein sagen, auch wenn ich kaum gerade sitzen konnte.

Asche auf mein Haupt

Mittwoch, 10.05.2017

Asche auf mein Haupt. Nicht nur, weil ich in letzter Zeit meinen treuen Fans keinen Stoff zum durchschmökern geliefert habe, sondern auch, weil sich hier zum ersten Mal dieses Jahr Kagoshima von seiner besonderen Seite zeigt.

Es knirscht zwischen den Zähnen, die Augen schmerzen, die Nase ist verstopft und alles ist mit einem leichten grauen Schleier bedeckt. Der Wind hat gedreht und so verwandelt der Sakurajima immer wieder die Stadt in eine riesige Aschewolke. Die Einwohner haben sich schon daran gewöhnt und sind fleißig am Fegen. Ich brauch da noch 'ne Weile... Die aufgefegte Asche wird dann in den extra dafür bereitgestellten Tüten verpackt und an den Sammelstellen abgegeben, die es hier an jeder Ecke gibt.

Letzte Woche war die Golden Week. Ihr Name kommt daher, dass in dieser Woche 3 Feiertage aufeinander folgen (der Tag der Verfassung, der Tag des Grünens und der Kindertag). Für die Japaner, die sonst nicht einmal den heiligen Sonntag ehren, ist das DIE Chance endlich mal so richtig Urlaub zu machen und zu verreisen. Daher herrscht in dieser Woche im ganzen Land absolutes Remmidemmi. 

Ich habe die Woche erst einmal ein wenig international angehen lassen. Zuerst war vor dem Hauptbahnhof das sog. Beer Festa. Das ganze soll ein wenig deutsch angehaucht sein (daher auch die vielen kleinen bayrischen Fähnchen). Aber das einzig deutsche waren die Bierbänke und die überdimensionale Flagge. Alle Bierliebhaber können hier japanisches Gebräu probieren. Für alle anderen ist aber auf jeden Fall ein Hingucker geboten.

Beim italienischen Straßenfest kann man dann "original" italienische Spezialitäten zu völlig überteuerten Preisen genießen. Trotzdem war es sehr lecker und bei dem schallenden Tenor-Gesang aus der Anlage kommt dann doch ein wenig Sommerurlaubsstimmung auf. 

Ein bisschen reisen musste dann doch noch sein. Mit drei Kumpels habe ich einen kleinen Tagesausflug nach Yamagawa gemacht. Die Gegend ist bekannt für ihre heißen Quellen und rohe Köstlichkeiten aus dem Meer. Frittierte Riesengarnelen waren mir dann persönlich doch lieber, aber das heiße Bad im Freien mit Meerblick habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen.

Die meiste Zeit bin ich allerdings weiterhin als Sprachlehrer und Kulturaustauschbeauftragter unterwegs. Ich habe sogar schon gelernt, 4 verschiedene Affenarten auf Chinesisch zu sagen. In zwei Wochen habe ich dann meine erste offizielle Veranstaltung als einzelner Deutschlehrer. Ich bin mal sehr gespannt, was da auf mich zukommt.

Nebenher versuche ich selbst noch irgendwie an meinen Japanisch-Fähigkeiten zu feilen und irgendwie mal mit dieser Nebenbeschäftigung weiterzukommen, die im besten Fall irgendwann in so etwas wie einer Bachelorarbeit enden soll. Die besteht im Moment aber noch zu 99% daraus, darauf zu warten, dass das Computerprogramm meine Datengrundlage verwertbar umwandelt. Aber wenn ich eins kann, dann nichts tun und abwarten.

 

Was geht ab, ihr geilen Schnittchen? - Powered by Erdbeerschnitte

Samstag, 01.04.2017

Der heutige Eintrag wird präsentiert von Erdbeerschnitte, dem perfekten Nachmitternachtsdessert in Sandwichform. Für alle, die gerne Erbeeren mit Sahne genießen wollen, ohne hinterher Besteck sauber machen zu müssen. Fresh&Delicious.

Nach diesem kurzen Werbeblock möchte ich ein kurzes Update geben, was in letzter Zeit so los war.

Die jüngste Vergangenheit stand ganz im Zeichen des interkulturellen Austauschs. Jeder weiß, wie wichtig Networking heutzutage ist. Also habe ich meine Freizeit ausführlich genutzt, um auf verschiedensten Events mein Unwesen zu treiben. Alle hatten die gemeinsame Intention, Japanern und Ausländern eine Plattform zum Austausch zu bieten, um gemeinsam an Sprachkenntnissen zu feilen oder einfach nur neue Leute kennenzulernen.

Hier mal eine kurze Zusammenfassung meiner Antworten zu den im Normalfall ersten drei Fragen, die ich nun gefühlt 100 mal beantwortet habe:

1. Ja, ich bin Deutscher. Würste find ich geil, Bier nicht so...

2. Meine beiden japanischen Lieblingsgerichte sind Tempura und Yakisoba

und 3. Ja, meine Haare sind echt und wachsen genau so. Wer will, darf auch mal anfassen.

Das weitere Gesprächsangebot ging von einfachem Smalltalk über das Wetter bis hin zu ganzen Präsentationen darüber, wie man aus Kagoshima einen besseren Ort machen kann. Dabei gibt es im Prinzip zwei perfekte Wege, die weltweit funktionieren, um sich schnell Freunde zu machen. Der erste wäre sich einfach mal ein wenig zum Affen zu machen. Dabei helfen z.B. mittelmäßige Gitarrenskills und eine etwas zu klein geratene Klampfe oder auch unnütze Talente, wie das perfekte Imitieren eines Wassertropfens. Alternativ kann man sich auch als lebensgroße Puppe für Haarexperimente anbieten. Absolut empfehlenswert.

Der andere Weg geht natürlich durch den Magen. Auf den Potluck-Parties geht es darum, dass jeder Teilnehmer irgendetwas zum Buffet beisteuert. Und welches deutsche Gericht können selbst untalentierte Köche in einer Miniaturküche zaubern? Ganz klar, Pfannkuchen. Sie kamen sehr gut an und jetzt weiß ich auch, wie man sie alternativ mit Stäbchen essen kann.

Was man auf jeder Veranstaltung und selbst bei Begegnungen mit wildfremden auf der Straße fühlt, ist die sofortige Verbundenheit, die Ausländer hier untereinander haben. Vor allem die, die so lustig aussehen wie ich. Wir alle lieben dieses Land und seine Eigenheiten. Wir fühlen uns aber auch definitiv wie ein kleiner, eliterer Kreis besonderer Menschen, die alle ähnliche Probleme, aber auch Freuden in diesem Land haben. Außerhalb von Städten wie Tokio und Kyoto ist es so selten einmal auf offener Straße einen Ausländer zu treffen, dass selbst ich sie irgendwie anstarren muss und es fast als Beleidigung ansehe, wenn mal jemand größer ist als ich. Und das, obwohl das zu Hause in Deutschland ja gang und gäbe ist. Die Macht der Gewohnheit...

Woran ich mich sicherlich dauerhaft gewöhnen kann, ist die generelle Atmosphäre in der Öffentlichkeit. Manchmal mag alles ein wenig chaotisch und hektisch wirken, aber gleichzeitig versprüht der gegenseitige Respekt der Menschen auch eine gewisse Gelassenheit und vor allem Sicherheit. Man kann selbst nachts um 4 gemütlich alleine eine knappe Stunde durch die City mit Partyvierteln und dunklen Gassen nach Hause laufen, ohne sich dabei unwohl fühlen zu müssen. Ich denke, ich kann für die meisten sprechen, auch wenn ich so etwas natürlich leicht sagen kann. Schließlich bin ich wahrscheinlich bei Schummerlicht die erschreckendste Erscheinung in der ganzen Stadt...

...wie gesagt... bei Schummerlicht.

 

 

 

 

Süchtig statt tüchtig

Sonntag, 12.03.2017

Zwei Wochen habe ich jetzt schon in meinem neuen zu Hause hinter mir und bin bereit für einen ersten Rückblick. Wo fange ich da nur an... Am besten erst einmal bei meiner Luxusbude. Ich habe mir tatsächlich die 5 Sterne Variante in einer der Wohnheime gegönnt. Das heißt eigenes Bad UND eigene Küche. Und mit Küche meine ich das hier...

Gut, sieht jetzt nicht nach besonders viel aus, aber für meine 5 Nudel-Varianten reicht's allemal. Und hey, ich hab nen Balkon, den ich auch mit meiner Höhenangst in 3 Metern Höhe noch genießen kann. Für eine futuristische High-Tech-Toilette hat's leider nicht gereicht. Aber immerhin gibt's am Ende des Ganges eine Waschmaschine, die von Art der Wäsche und Wasserverbrauch bis hin zum benötigten Waschmittel alles selbstständig regelt. Der Rest meines Zimmers ist eigentlich genau so groß, wie man es eben braucht. Nur halt etwas tief... Selbst das Bett ist für japanische Verhältnisse fast schon einladend groß. Nur war das Zimmer sehr sporadisch eingerichtet, sodass ich von LAN-Kabel bis Klobürste wirklich alles erst besorgen musste. Aber für sowas gibt es ja zum Glück den AEON gleich um die Ecke.

Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Egal ob Sojasprossen, Autos oder Windeln für Hunde; für alle Bedürfnisse ist gesorgt. Alternativ kann man sich auch im ersten Stock auf einer Ruhebank sein neues Spielzeug aus dem Automaten ausprobieren, nachdem man sich seine Zukunft aus der Hand lesen lassen hat.

Arg viel weiter als nötig habe ich mich bisher nur selten von meinen gewohnten Wegen entfernt. Zu oft habe ich mich da schon auf selbst einfachsten Strecken komplett verirrt. Kagoshima ist für mich halt eine sehr große Stadt, auch wenn alle Japaner behaupten, dass das hier schon fast ländliche Gegend ist (ja ne...is klar....).

Die wichtigen Gänge zum Rathaus, der Versicherung, der Bank etc. habe ich mittlerweile hinter mir, auch wenn sie nicht immer ganz einfach waren. Z.B. musste meine Begleitung im Rathaus leider kurz bevor wir dran waren zu einem wichtigen Termin. Doch mit meinem astreinen Beamtenjapanisch war das natürlich gar kein Problem. Trotz gewisser Hindernisse bin ich jetzt offizieller Einwohner Kagoshimas und auch offizieller Student der Uni. Dazu gehört auch so ein schicker Inkan, ein Stempel, der anstatt der Unterschrift für offizielle Dokumente verwendet wird. Fühlt sich richtig professionell an.

In der Uni ist noch nicht allzu viel los, da diesen Monat noch Ferien sind. Dennoch ist immernoch mehr los als auf meiner kleinen Exil-Hochschule in Rottenburg. Auffallend ist, das wirklich überall Musik zu hören ist. Während sich im Hauptgebäude das Orchester einstimmt, üben auf der einen Campusseite die Brakedancer und auf der anderen die zukünftigen J-Pop-Sternchen ihre Tanzmoves. Und selbst in der Mensa kann man sich seinen Reis zu den neuesten Hits von Kyary Pamyu Pamyu gönnen. 

Die Studenten und Professoren in meinem Labor sind alle super nett und versuchen ihr Bestes, um mir meine Eingewöhnung so einfach wie möglich zu machen. Sie haben mir sogar ein gebrauchtes Fahrrad versprochen, das gerade noch irgendwo auf dem Campus steht. Ich hoffe nur, dass es keins von diesen Exemplaren ist...

Gestern gab es dann auch eine kleine Wilkommensfeier für mich von allen aus dem Labor, die jetzt schon wieder in Kagoshima sind. Am besten lernt sich's natürlich bei ein wenig leckerem Essen in einem sehr überschaubaren schnuckeligen Restaurant kennen. Da es gleich um die Ecke meiner Bude ist, weiß ich schon mal, wo ich zukünftig meinen Hunger nach Okonomiyaki und Yakisoba stillen kann.

Im Anschluss an die lustige Runde ging ich noch ein wenig bei der Probe einer Studenten-Jazz-Gruppe lauschen, bei denen ich jederzeit mein Bedürfnis nach Trommeln befriedigen dürfte. Nun gut, wenn sie bereit für ein bisschen Lärm sind...

Da ich nun auch endlich den Nachtcode für meine Haustür hatte, konnte ich auch einen ersten Einblick in Kagoshimas Nachtleben erhaschen. Hier trifft man dann z.B. Leute, die Mitte März mit einer Kombination aus Nikolausmütze und glitzernden Teufelshörnern rumrennen. Japan halt...

Aber ich habe mich erstmal meiner neuen Sucht zugewandt: Traubenfanta. Gibt's hier an jeder Ecke im 24/7 Convenience-Store oder in den zahlreichen Getränkeautomaten, bei uns in Deutschland leider gar nicht. Ansonsten hätte Spezi einen wirklich ernstzunehmenden Konkurrenten...

Ich hatte auch erst gedacht, dass ich voll im Traubenfanta-Delirium war, als in der Nacht gleich zweimal mein Bett plötzlich angefangen hat zu wackeln. Aber nein, das waren meine ersten beiden kleinen Erdbeben hier in Japan. Ich hatte mich zwar tatsächlich schon ein wenig darauf gefreut, aber um 4 Uhr nachts hätte das nicht zwingend sein müssen. Aber alles halb so wild, beide waren nur eine 2 von 7 auf der nationalen JMA-Skala. Wenn irgendwann der Vulkan mal loslegt und im Sommer der Taifun kommt, dann geht der Spaß erst richtig los.

So richtig los für mich geht's erst im April. Dann habe ich meinen Einstufungstest für den Sprachkurs, bei dem sich dann zeigt, ob ich die letzten 3 Jahre nur meine Zeit verschwendet habe. Bis dahin gibt's noch ein paar Schriftzeichen zu lernen und sonst eine Menge Freizeit, in der ich mein neues zu Hause erkunden und mich ganz meiner lila Lieblingsbrause widmen kann.

Foto aus Kyoto

Sonntag, 26.02.2017

Was es mit diesem wunderschönen Bild auf sich hat, verrate ich später. Zunächst einmal: Wilkommen in Kyoto, der alten Haupstadt Japans. Sie ist voller nationaler Schätze und Weltkulturerbstätten, was Kyoto zu einer der schönsten Städte der Welt macht. Ich war bei meiner letzten Reise vor 2 Jahren bereits hier, muss jetzt aber alles nachholen, was ich in den wenigen Tagen damals nicht geschafft habe. Dazu gehört z.B. die Phönixhalle des Byōdō-in, dem Gebäude auf der 10 Yen Münze. Die meisten kommen, um die Schätze, wie die Phönixe oder die hölzerne 3 m hohe Buddhastatue, zu bestaunen. Ich war allerdings fast noch mehr von dieser raffinierten Nummerierung angetan, mit der man ganz einfach seine ausgezogenen Schuhe wieder findet. Fuchs muss man sein...

Hier ist übrigens auch das Mekka für Tee-Fans. Man kann sich in teilweise 400 Jahre alten Läden mit allerlei Teesorten eindecken. Und für alle, denen das nicht reicht, gibt es einfach jede erdenkliche Speise mit Grünteegeschmack.

Den mit Sicherheit anstrengensten Besuch hatte ich im Fushimi Inari-Taisha. Dieser Shintoschrein wurde zum wiederholten Mal zum beliebtesten Reiseziel ausländischer Touristen in Japan gewählt. Das Besondere hier ist, dass man auf dem etwa zweistündigen Fußmarsch zum Berggipfel und wieder zürück durch tausende so genannter Torii geht. Jedes einzelne davon ist von Firmen, Organisationen oder Privatpersonen gespendet worden. Zusätzlich zu den Torii findet man auf dem Weg unzählige Schreine, die der Anbetung des Fuchsgottes Inari dienen.


Danach gab's einen kurzen Abstecher zum Tofukuji. Im Gegensatz zu den anderen Anlagen der Stadt, in denen die Selfiestickarmee der Chinesen wütet, war hier kurz vor Feierabend angenehm wenig los. Wie dieses Schild am Bahnhof zeigt, könnte sich die Touristeninvasion allerdings auch von ganz alleine beseitigen.

Am schönsten ist Kyoto nachts, wenn man durch die charakteristischen engen Gassen entlang des Flusses, durchs Geisha-Viertel oder die Geschäftsstraßen schländert. Doch irgendwann ist es mit der Kultur auch mal genug, also musste heute mal etwas leichte Unterhaltung her. Wir waren im Toei Kyoto Studio Park, dem Inbegriff von japanischem Kitsch. Hier wurde schon so manche berühmte Filmszene gedreht. Doch heute dient der Park hauptsächlich witzigen Schaukämpfen und Bildern mit Samurai, Geisha und Co. Nachdem ich schon fast genötigt wurde mit jedem Schausteller ein Bild zu schießen, durfte ich mich dann wie oben zu sehen selbst im Samuraikostüm zum Affen machen. Es war aber auf jeden Fall eine sehr spaßige und unvergessliche Erfahrung, wie mich drei winzige japanische Damen in einem Affenzahn geschmückt, zurecht gezupft und positioniert haben.

Nach einer sehr schönen ersten Woche geht's morgen früh endlich mit dem Shinkansen in 4 Stunden nach Kagoshima. Doch bevor der Ernst des Lebens anfängt, zieh ich mir im Fernsehen erstmal rein, wie Takeshi (ja, der von Takeshi's Castle) von einem 8 Jährigen im Tischtennis abgezogen wird.

Gute Nacht!

Von kulinarischen Mutproben bis zum Badehaus

Donnerstag, 23.02.2017

So langsam neigt sich meine Zeit in Fukui dem Ende zu. Ich habe in dieser einer Woche schon eine Menge mitgemacht. Ob nun totale Entspannung, kulturelle Bereicherung oder Zerreißproben für den Magen; für alles war gesorgt. Aber no net hudla, eins nach dem anderen...

Zunächst wurde der kleine Dinofanatiker in mir befriedigt. Im Fukui Prefectural Dinosaur Museum gibt es Skelette, Filme, bewegliche Dinos, weltexklusive Ausstellungsstücke... eben alles, was man bei uns auch finden kann. Mit der Ausnahme, dass man hier von einem sprechenden Empfangsroboter wilkommen geheißen wird. Wenn man Bock auf eine Hochzeit mit einem T-Rex als Ringträger hat, ist man hier auch genau richtig. Wer auch einmal herkommen möchte, hält einfach in der verschneiten Berglandschaft Ausschau nach einem riesigen Ei. Es ist relativ auffällig und nicht allzu schwer zu finden.

Wer in der Gegend ist, sollte auch mal einen Abstecher nach Kanazawa in der Nachbarpräfektur Ishikawa machen. Auf dem Fischmarkt gibt es neben allerlei Meeresgetier auch frisches Obst und Gemüse. Man kann sich aber auch wie ich einfach eine Packung undefinierbare Algenpampe gönnen. Und wenn das nicht reicht, kann man sich im alten Einkaufsviertel Higashiyama Chaya ganz seinen Souvenir-Shopping-Gelüsten hingeben.

Kanazawa bereist man am besten mit dem Bus. Allerdings gibt es hier die Eigenheiten des japanischen Busverkehrs zu beachten. Erst einmal muss man sich darauf einstellen, dass zwischen dem, was wir für einen vollen Bus halten, und dem, was die Japaner für einen vollen Bus halten, ein gewisser Unterschied besteht. Doch auch, wenn man sich den letzten Platz mit guter Atemluft sichern möchte, stellt man sich fein säuberlich in der Schlange vor dem Bus an (s.u.). Hat man sich dann in den Bus gezwängt (bei entsprechender Körpergröße zum Glück noch recht angenehm), sollte man nur noch beachten, dass der japanische Bus genau verkehrt herum funktioniert wie ein deutscher. Eingestiegen wird hinten, ausgestiegen vorne, bezahlt wird nach der Fahrt und fahren tut er natürlich auf der linken Spur.

Mein absolutes Highlight der Stadt ist allerdings mit Sicherheit einer der "3 perfekten Gärten Japans", der Kenrokuen. Er lädt zum entspannten Schländern und zum euphorischen Fotographieren der derzeit blühenden Pflaumenbäume ein. Der perfekte Ort, um dem Trubel ein wenig zu entkommen.

Und nun zu den kulinarischen Highlights. Schnitzel, frittierte Meeresfrüchte, Yakitori, Nudeln.... davon könnte ich mich problemlos das nächste halbe Jahr ernähren. Fischeier, Rindermagen, roher Oktopus... nun.

Aber das wohl speziellste gab es in einem Yakiniku Restaurant. Japanisches BBQ ist an sich super. Allerlei Leckereien gegrillt auf dem eigenen Tischgrill, während man möglichst unverkrampft versucht sich im Schneidersitz an einen viel zu kleinen Tisch zu pressen. Sehr lecker, aber auf Dauer auch sehr anstrengend. Wenn dann aber meine japanischen Kumpels mit einem breiten Grinsen im Gesicht eine Bestellung aufgeben und dann nicht so recht sagen wollen, was da eigentlich in dem Töpfchen vor uns gart, kann ich schon mal zurecht misstrauisch werden. Im Endeffekt war es das hier...

...lecker FISCHHODEN. Ich will's nicht allzu spannend machen. Schmeckt bedeutend weniger schlimm als es aussieht. Fast schon "ähnlich" wie Garnelen. Zu Erfrischung gab es dann ein leckeres Gari Gari. Ein riesiger blauer Eisblock am Stiel -  irgendwo zwischen Eisbonbon und BumBum - der sich in Sekundenbruchteilen im Mund zu Gas verwandelt. Sehr erfrischend.

Auf den Hodenschock habe ich mir am nächsten Tag erst einmal spirituelle Kraft im sehr beeindruckendenden Zen-Kloster Eiheiji geholt. Hier kann man nicht nur die Anlage begutachten, sondern auch mit etwas Glück die ansässigen Mönche beim Praktizieren ihrer täglichen Rituale sehen.

Im Moment sitze ich in meinem Hotelzimmer in meinem endsgemütlichen Yukata, genieße bei einer Tasse Grüntee den Ausblick  auf Berge und Reisfelder und gönne mir dann gleich noch einmal ein ausführliches Bad in den heißen Quellen des hauseigenen Onsen. Heute Abend gibt es noch ein abschließendes Essen in der Yakitori-Bar, bevor es morgen für 2 Tage nach Kyoto geht.

Gruß an alle armen Schweine, die arbeiten müssen.

Wilkommen zurück im 21. Jahrhundert

Sonntag, 19.02.2017

Heute ging es schon in aller Herrgottsfrühe (8 Uhr!!!) zu einem kleinen Tagesausflug nach Nagoya, der viertgrößten Stadt Japans.

Auch wenn ich natürliche gespannt war die neue Stadt kennenzulernen, war mein heutiges Hauptziel eigentlich nur endlich an einen Stromadapter zu kommen, um das bisschen Technologie, ohne das selbst ich nicht auskomme, an den Start zu bringen. Im schlussendlich vierten Laden wurde ich dann auch tatsächlich fündig, weswegen ihr diese Zeilen überhaupt erst lesen könnt. 

Zu jeder guten Städtetour gehört natürlich das passende Kulturprogramm. Also haben wir erst einmal ausführlich die Burg Nagoya begutachtet. Ich kann euch versichern, die Japaner sind auf jeden Fall auch in ihrem eigenen Land so fotowütig und schwer begeistert von alten Gemäuern wie bei uns. Die alten Ausstellungsstücke waren schön anzuschauen, nur die gleichzeitig stattfindende Star Wars-Ausstellung hat mich dann doch immer wieder aus der altertümlichen Atmosphäre gerissen. Nun gut...

Zur Stärkung gab's erstmal eine Runde scharfe Nudelsuppe in der erstaunlich ruhigen Innenstadt. Bei über 2 Mio. Menschen hatte ich irgendwie mit mehr Trubel gerechnet, aber mir soll's recht sein. Wer wird schon gern beim Suppenschlürfen gestört...?

Mit vollem Ranzen schläft sich's auch im Auto gut. Nun ja... zumindest bis einen die Beifahrer fast schon panisch wieder wecken. Ich darf schließlich nicht den Sonnenuntergang über dem japanischen Meer verpassen. OK, ich muss gestehen, das war selbst im Halbschlaf ein schöner Anblick.

Zum krönenden Abschluss hieß es dann "Sushi, Sushi, mjam mjam mjam." Mein Lieblingsessen wird es sicher nie, aber immerhin schaffen's die Japaner selbst mir altem Fischverschmäher ihre rohe Spezialität halbwegs schmackhaft zu machen. Hauptsache, ich kann die Sushi-Freaks ein wenig eifersüchtig machen. ;-)

Hello from the other side

Samstag, 18.02.2017

Endlich ist's geschafft! Nach 11 schlaflosen Stunden im Flugzeug und insgesamt fast 24 Stunden Anreise bin ich an meinem ersten Zwischenziel bei der überaus netten Familie Hayakawa in Fukui angekommen. Hier werde ich die erste Woche verbringen, bevor es langsam Richtung Süden geht.

Zwei Dinge habe ich bereits auf dem Flug gelernt:

1. Essstäbchen sind beim beengten Essen tatsächlich hilfreich (übrigens echt brauchbares Sushi, liebe Lufthansa)

2. Es ist nicht optimal sich am Abend vor dem Abflug noch kiloweise Linsen reinzuschaufeln (meine Sitznachbarn werden es mir hoffentlich verzeihen)

Japan ist genau so, wie ich es von vor 2 Jahren in Erinnerung hatte: Nur nette Leute, viel Gewusel, eine Menge seltsamer Geräusche, alles ein wenig zu klein und dennoch funktioniert alles reibungslos.

Apropos ein wenig zu klein... die Hayakawas sind selbst für Japaner recht kurz geraten. Hier ein kleiner Auszug aus meinem Leben in Schlumpfhausen:

Naja, aber das ist auch das einzige Übel, denn ich werde mit gewohnter japanischer Gastfreundschaft umsorgt. Und nach so einer harten Reise, Japan Fried Chicken à la Mama, einem heißen Bad und den obligatorischen 20 Tassen Grüntee lässt sich's verdammt gut schlafen.

Es ist offiziell! Kagoshima, ich komme!

Samstag, 11.02.2017

Nun ist es endlich soweit: Nach fast 4 Monaten Bürokratie halte ich endlich mein Visum für Japan in den Händen. Somit steht meiner Reise nichts mehr im Weg.

Mein Ziel ist die Universität Kagoshima im Süden Japans, auf der ich im Rahmen eines Austauschs mein Unwesen treiben darf. Kagoshima liegt in der gleichnamigen Präfektur an der Südwestspitze der Insel Kyūshū. Mit knapp 600.000 Einwohnern ist die Größe vergleichbar mit der Stuttgarts. 

Ihr wohl auffälligstes Wahrzeichen ist der Sakurajima, einer der aktivsten Vulkane Japans. Er sorgt zusammen mit dem fast schon tropischen Klima - besonders im Sommer - für eine ganz besondere Atmosphäre, die für einen Kleinstadtschwaben wie mich die Herausforderung, aber auch den Reiz dieser Reise ausmacht.

Abflug ist am Freitag in Richtung Ōsaka. Zunächst werde ich meinem guten Freund Hiro einen Besuch in seiner Heimatstadt Fukui abstatten und nach einem Zwischenstop in Kyōto meinen endgültigen Weg in den Süden des Landes antreten.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen sich hier einen kleinen Einblick in meine Aktivitäten zu verschaffen. Ich versuche regelmäßige Updates abzuliefern, natürlich in gewohnt hoher Qualität. ;-)